Pädagogik der Unterdrückten

Paulo Freire

Bildung als Praxis der Freiheit

Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist es um den Namen und das Werk des brasilianischen Pädagogen Paulo Freire (1921-1997) in der deutschsprachigen pädagogischen Landschaft still geworden. Die Phase begeisterter Rezeption und intensiver Diskussion, die durch die Übersetzung der „Pädagogik der Unterdrückten“ und weiterer Bücher in den siebziger Jahren ausgelöst worden ist, ist im Laufe der achtziger Jahre abgeflaut. Zwar ist Paulo Freire in die Liga der „Klassiker der Pädagogik“ aufgenommen worden, aber Klassikern haftet bekanntlich der Nimbus an, dass sie weit von der alltäglichen Wirklichkeit enthoben und damit für das praktische pädagogische Tagesgeschäft nicht zu gebrauchen sind. Um Hilfen zu bekommen, um den pädagogischen Alltag bestehen zu können, darauf richtet sich das vorrangige Interesse der im Bereich der Erziehung Tätigen; und entsprechend reagiert der Markt der pädagogischen Handreichungen und Medien. Auch wenn die klassischen Denker der Pädagogik in ihrer Zeit vor anderen Herausforderungen gestanden haben, kann eine Beschäftigung mit ihnen hilfreich sein. Bei ihnen ist zu lernen, dass Erziehung und Bildung nicht auf eine möglichst reibungslose Anpassung der je neu heranwachsenden Generation an das Bestehende hinauszulaufen habe, sondern dass mit jeder neuen Generation die Frage aufgeworfen wird und zur Debatte steht, wie die Menschen in der Gesellschaft auf Zukunft hin zusammenleben wollen und sollen und wie alle dazu befähigt werden können, ihren Anteil zur phantasievollverantwortlichen Lösung der sich stellenden Herausforderungen einzubringen. Genau in dieser Hinsicht ist auch von einer erneuten Lektüre der Schriften Paulo Freires viel zu erwarten.