Weltkarte - Süd-Nord
Mehr als nur eine Frage der Richtung - Karten sind immer politisch!
Weltkarten sind nicht neutral – sie spiegeln Machtverhältnisse, kulturelle Perspektiven und historische Prägungen wider. Die klassische Nord-Süd-Orientierung, wie sie etwa die weit verbreitete Mercator-Projektion zeigt, wird zunehmend kritisch hinterfragt. Gleichzeitig wirft auch die alternative Süd-Nord-Darstellung neue Fragen auf.
Probleme der klassischen Nord-Süd-Karten
Die Oberfläche der Erde in Kugelgestalt lässt sich nicht gleichzeitig flächen- und winkeltreu in der Ebene abbilden. Die Mercator-Karte, die ein Kompromiss in diesem Dilemma ist und in vielen Schulen und Atlanten verwendet wird, verzerrt jedoch die tatsächlichen Größenverhältnisse der Kontinente stark: Afrika erscheint viel kleiner als Europa, obwohl es in Wirklichkeit etwa dreimal so groß ist. Diese Verzerrung führt zu einem falschen Bild der Welt und verstärkt unbewusste Vorurteile.
Darüber hinaus ist die Nord-Süd-Orientierung historisch mit einer „Oben-Unten“-Hierarchie verbunden: Der Norden wird oft mit Fortschritt, Reichtum und Positivem assoziiert, der Süden dagegen mit Armut, Rückständigkeit und Negativem. Diese „Nord-Süd-Voreingenommenheit“ prägt unser Denken und unsere Wahrnehmung der Welt.
Ziele der Süd-Nord-Darstellung
Die „South-Up“-Karten (also Karten, die den Süden oben zeigen) sollen diese eurozentrische Perspektive bewusst durchbrechen. Indem sie uns vertraute Strukturen aus einer neuen Perspektive zeigen, regen sie zum Nachdenken an und hinterfragen die scheinbare Natürlichkeit der klassischen Darstellung.
Vorteile der Süd-Nord-Karten:
- „Entmachtung“ des Nordens: Die Umkehrung der Karte hebt die Dominanz des Nordens auf und fördert eine nicht-hierarchische Sicht auf die Welt.
- Überwindung von Klischees: Sie kann helfen, die unbewusste Verbindung von Norden mit Reichtum und Süden mit Armut zu lockern.
- Neue Zentren: Manche Süd-Nord-Karten, wie die McArthur’s Universal Corrective Map, platzieren Australien in der Mitte und geben dem Kontinent so eine neue zentrale Bedeutung. Brot für die Welt nutzt bei seiner Karte zur Klimagerechtigkeit eine Projektion mit der Antarktis als Mitte: BfdW_Worldmap_Climate.pdf
Kritik an der Süd-Nord-Darstellung
Doch auch die Süd-Nord-Karten sind nicht frei von Kritik. Sie etablieren zwar eine neue Perspektive, aber damit auch eine neue Form der „Karten-Herrschaft“. Wenn etwa Australien in der Mitte steht, wird eine andere, aber ebenfalls spezifische kulturelle und politische Perspektive betont. Die Kritik richtet sich also weniger gegen die Ausrichtung an sich, sondern gegen die Frage, welche neue Macht- und Dominanzverhältnisse durch die Wahl der Darstellung entstehen.
Karten sind immer politisch!
Ob Nord-Süd oder Süd-Nord – jede Kartenprojektion ist eine Entscheidung mit politischen und kulturellen Konsequenzen. Die Diskussion um die Ausrichtung von Weltkarten zeigt, wie wichtig es ist, sich der eigenen Perspektive bewusst zu sein.
Quellen:

