Partnerschaft zwischen Baden Württemberg und Burundi

Aus historischem Engagement wird gegenseitiges Lernen: Die Partnerschaft wandelt sich zu einer solidarischen, dekolonisierten Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Die Partnerschaft zwischen dem Land Baden-Württemberg und Burundi gehört zu den ältesten Länderpartnerschaften der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Ihr Ursprung reicht rund 40 Jahre zurück und ist eng mit dem politischen Willen verbunden, internationale Solidarität nicht nur auf staatlicher Ebene, sondern auch durch zivilgesellschaftliches Engagement zu gestalten. Von Beginn an verstand sich diese Partnerschaft als Ausdruck einer besonderen historischen Verantwortung und als Versuch, globale Ungleichheiten durch Kooperation, Austausch und gemeinsame Projekte zu überwinden.
 
Eine zentrale Rolle bei der Bekanntmachung und praktischen Umsetzung dieser Partnerschaft spielt seit vielen Jahren die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ). Insbesondere über das Programm Bwirkt - Burundi wurden zahlreiche Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Umwelt, Frieden und Armutsbekämpfung gefördert.
 
Diese Maßnahmen trugen wesentlich dazu bei, die Partnerschaft nicht nur als politisches Abkommen, sondern als lebendige Beziehung zwischen Institutionen, Organisationen und Menschen beider Länder erfahrbar zu machen. Schulen, Kirchengemeinden, Vereine und Nichtregierungsorganisationen in Baden-Württemberg engagieren sich bis heute in Burundi und prägen das Bild einer aktiven, solidarischen Landespartnerschaft. Die neue Initiative „Académie de l’amitié“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Kooperation mit der evangelischen Akademie Bad Boll schließt sich an die lange Liste von Initiativen an, die diese Partnerschaft lebendig halten möchte.
 
In den letzten Jahren ist innerhalb dieser Kooperation verstärkt das Anliegen formuliert worden, die Partnerschaft kritisch zu reflektieren und zu dekolonisieren. Damit ist das Bemühen verbunden, historische Machtasymmetrien zu überwinden und Burundi nicht länger primär als Empfänger von Hilfe, sondern als gleichberechtigten Partner mit eigenem Wissen, eigenen Prioritäten und eigenen Lösungsansätzen anzuerkennen. Die Dekolonisierung der Partnerschaft bedeutet, Entscheidungsprozesse stärker gemeinsam zu gestalten, lokale Expertise ernst zu nehmen und Projekte nicht ausschließlich an europäischen Entwicklungslogiken auszurichten, sondern an den sozialen, kulturellen und politischen Realitäten Burundis. Hier spielt auch die burundische Diaspora in ihrer unterschiedlichen Initiative eine entscheidende Rolle.  Dieser Anspruch markiert einen wichtigen Paradigmenwechsel: weg von einer einseitigen Hilfsbeziehung hin zu einer dialogischen und lernenden Partnerschaft.
 
Die politische Instabilität in Burundi erschwert die Zusammenarbeit. Projekte laufen unter unsicheren Bedingungen, und Partnerschaften hängen stark von politischen Entwicklungen ab. Deshalb stellt sich auch für Baden-Württemberg die Frage, wie Solidarität und kritischer Dialog möglich sind, ohne neue Abhängigkeiten zu schaffen.
 
Trotz dieser Schwierigkeiten bleibt die Partnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Burundi ein wichtiges Beispiel für langfristige internationale Zusammenarbeit. Ihre Zukunft hängt entscheidend davon ab, ob es gelingt, die Prinzipien der Dekolonisierung konsequent umzusetzen, politische Spannungen sensibel zu berücksichtigen und Räume für echte Mitgestaltung burundischer Akteure zu öffnen. Nur so kann aus einer historisch gewachsenen Beziehung eine Partnerschaft entstehen, die nicht auf Hierarchie, sondern auf gegenseitigem Respekt, gemeinsamer Verantwortung und geteiltem Lernen beruht.
 
P. Dr. Déogratias Maruhukiro (PhD), ISch - Mitglied im Ausschuss Weltkirche und Partnerschaft