Neue Leitlinien Perupartnerschaft
Erneuerung der Leitlinien der Perupartnerschaft nach 20 Jahren.
Unter dem Thema „Die Zeichen der Zeit erkennen“ machte sich der Consejo Nacional (Nationalrat der Partnerschaft) in Peru und die Freiburger Perukommission daran, ihre Leitlinien zu erneuern, die vor über 20 Jahren entstanden waren.
Neben den Herausforderungen der „Sorge um das Gemeinsame Haus“ und einer synodalen Kirche, stand auch eine machtkritische Reflexion der Partnerschaftsrealität im Zentrum.
Die überarbeiteten Leitlinien der Perupartnerschaft der Erzdiözese Freiburg und der Kirche von Peru aus dem Jahre 2024 bringen das Ringen um eine zukunftsfähige weltkirchliche Gemeinschaft zum Ausdruck. Auf der Grundlage einer jahrzehntelangen Verbindung zwischen Gemeinden in Deutschland und Peru bauen sie auf den vier bewährten Säulen Spiritualität, Kommunikation, Solidarität und Organisation auf. Gleichzeitig erweitern sie dieses Fundament um vier richtungsweisende Optionen, die die Partnerschaft unter den Herausforderungen der Gegenwart neu ausrichten sollen.
Hier einige exemplarische Aussagen aus den neuen Leitlinien zu einer selbstkritischen Auseinandersetzung mit kolonialen Mustern in der Partnerschaftsarbeit:
Die Leitlinien fordern dazu auf, bei der Kommunikation darauf zu achten, asymmetrische Machtverhältnisse und koloniale Denkmuster abzubauen und zu vermeiden:
„Obwohl wir das Ideal einer ‚Partnerschaft auf Augenhöhe‘ anstreben, verharren wir oft unbewusst in ‚kolonialen Kontinuitäten‘ von beiden Seiten, indem die Europäer als die Handelnden und die lateinamerikanischen Partnerinnen und Partner als die Empfangenden angesehen werden. Deshalb hinterfragen wir Rollenzuschreibungen im Kommunikationsprozess gemeinsam machtkritisch und finden Wege, zwischen uns stehende Kolonialitäten zu überwinden.“
Dies führt in der Solidaritätsarbeit dazu, jeden Paternalismus und Assistenzialismus zu unterlassen:
„Wir vermeiden es, Abhängigkeitsverhältnisse zu schaffen, das solidarische Miteinander der Partnerinnen und Partner ist oberste Prämisse. Das schafft Raum für Gleichheit und Gegenseitigkeit.“
Es geht darum, das Bild des hilfsbedürftigen Südens zu überwinden und die wechselseitigen Beiträge der Partner*innen zu erkennen und anzuerkennen.
„Partnerschaft ist eine Beziehung des gegenseitigen Gebens und Nehmens. Wir erkennen unsere jeweilige Bedürftigkeit und wie uns die Partnerschaft hier beschenken kann. Der Dialog mit unseren Partnerinnen und Partnern kann uns vor Augen führen, wo unser jeweiliger Lebensstil und unser Handeln einer Umkehr bedürfen.“
Wenn die Leitlinien von einem „missionarischen Christsein“ sprechen, distanzieren sie sich von dem Begriff Mission, mit dem im Kontext der Geschichte Lateinamerika, das Christentum mit „Bibel und Schwert“ in den Kontinent getragen wurden. Sie definieren „missionarisch“ vor allem vor dem Hintergrund des Vatikanum II als Solidarisierung mit der Menschheit insgesamt:
„In der Konstitution (des Vat II) wird die „Solidarisierung mit der Menschheit überhaupt und besonders mit den Unterdrückten und Leidenden (…) zum Prinzip der Kirchenbildung.“ (Rainer Bucher). „Damit aber hat ihre Sendung (Mission) unweigerlich politische Konsequenzen. So hat sie als Anwältin für die Menschenrechte, den Weltfrieden und die größere Gerechtigkeit einzutreten. Aufgrund ihrer langen historischen Erfahrung hat sie eine besondere Mitverantwortung zur humanen Gestaltung der Globalisierung.“ (Allen Völkern sein Heil, DBK 76).
Die Leitlinien zielen auf eine Theologie der Beziehung: Sie verstehen Partnerschaft nicht als bloßes Projekt, sondern als geistlich fundierte, kommunikativ lebendige und solidarisch geprägte Lebensgemeinschaft. Sie bieten Orientierung für Gemeinden, die über nationale und kulturelle Grenzen hinweg Zeugnis einer lebendigen Weltkirche geben möchten – prophetisch, partizipativ und zukunftsoffen. Darin realisiert sich das Ideal einer synodalen Kirche, in der die Kirche in Freiburg und die Kirche in Peru auf einem gemeinsamen Weg sind.
Thomas Schmidl - stellv. Vorsitzender des Ausschusses Weltkirche und Partnerschaft
Quelle:
Zitate aus einer Veranstaltung in der Katholischen Akademie: Rainer Bucher
