Die wichtigsten Erlebnisse sind Begegnungen mit Menschen!

Fabian Freiseis

Machtkritik ist Teil der christlichen Tradition: Bereits die Prophetinnen und Propheten im Tenach haben sich gegen Ausbeutung und Ungerechtigkeit geäußert und der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten, um die vom Ewigen, deshalb auch ewig Gerechten, gewünschte sehr gute Ordnung zum Zeitpunkt der Schöpfung vor dem Sündenfall wiederherzustellen.
 
Diese Kritik versteht sich gerade als dialogisches Geschehen: Sie entstammt zwar meinem Gerechtigkeitsempfinden, benötigt aber die Empathie mit anderen Menschen, die unter der Ungerechtigkeit leiden, und deshalb konkrete Ansprechpersonen. Die wichtigsten Erlebnisse sind deshalb immer die Begegnungen mit Menschen. Daraus ergibt sich der Leitsatz, dass unser Einsatz nicht sich selbst, sondern immer meinen Nächsten dient und ich immer wieder neu vor der Aufgabe stehe, selbst zum Nächsten für alle werden zu wollen. Diese von Gott geschenkte Hinwendung zum Nächsten ist mir dabei zur wichtigsten Erfahrung geworden - programmatisch wurde sie in der Abfolge „Dilexi nos“ – „Dilexi te“ durch die Päpste Franziskus und Leo XIV. als spiritueller Weg, der in die Handlung führt, ins Wort gebracht. Meine Hoffnung und mein Wunsch ist, dass wir die Liebe, die uns geschenkt ist, verbreiten und vermehren und dadurch Ungerechtigkeiten überall vermindern können, bevor sich Menschen von der Liebe ab- und Ideologien, diskriminierenden oder machtchauvinistischen Überzeugungen zuwenden.
 
Dr. Dr. Fabian Freiseis – Leitung Referat Ökumene, religiöser Dialog in der Erzdiözese Freiburg