In vielen Jahren ehrenamtlicher Peru-Partnerschaftsarbeit durfte ich nicht nur viele bereichernde Begegnungen und Erlebnisse erfahren, sondern auch immer wieder neue Einblicke und Perspektiven gewinnen. So lernte ich recht bald, dass unser Wohlstand nicht so sehr das Ergebnis von Arbeit und Fleiß ist, sondern überwiegend darauf beruht, dass wir die Ressourcen anderer Länder ausgebeutet haben und weiterhin ausbeuten. Im Rückblick auf die eigene weltkirchliche Arbeit wird mir auch zunehmend ernüchtert klar, dass manche unserer wohlgemeinten Aktivitäten nur scheinbar auf Augenhöhe und manchmal mit wenig Gespür für ein reales Machtgefälle umgesetzt wurden. Wir alle, aber besonders wir als Christen brauchen Sensibilität in der Begegnung mit anderen Kulturen und mehr Mut, Ungerechtigkeiten klar zu benennen. Wir müssen unsere Stimme erheben, wenn Menschen ausgegrenzt oder angegangen werden, weil sie anders sind oder anders denken.
Es geht nicht darum wohlwollend engagierten Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen, Moralisieren wäre der falsche Weg. Niemand ist frei von unbewussten und verinnerlichten Vorurteilen. Aber struktureller Rassismus entlarvt sich selten von allein und wir sollten die Auseinandersetzung mit diesen Themen nicht scheuen, auch wenn sie manchmal mühsam ist.
Mut macht mir, dass ich - auch in der Nord-Süd-Arbeit - junge Menschen erleben kann, die sich mit einer gewissen Selbstverständlichkeit und ohne Berührungsängste den Fragen von Machtgefällen, Privilegien und Normen stellen und Vielfalt wertschätzen.
