Weltkirche

Definition und Herausforderungen

Der Begriff Weltkirche bezeichnet die katholische Kirche in ihrer globalen Dimension. Dabei geht es nicht nur um ihre geografische Ausbreitung, sondern auch um die Vielfalt an Kulturen, Sprachen, Lebenssituationen und Glaubensausdrucksformen innerhalb der einen universalen Kirche. 
 
Als biblischer Bezug kann die Botschaft des Pfingstereignisses (Apg 2,1-13) dienen, in der die Unterscheidung der Menschen in Völker und Sprachen durch das Wirken des Geistes Gottes überwunden wird, und auch Paulus betont im Galaterbrief:
„Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus" (Gal 3,28).
Zugleich drückt der Begriff Weltkirche aus, dass sich diese eine Kirche weltweit in den einzelnen Ortskirchen verwirklicht und gerade in diesem wechselseitigen Verhältnis lebt.
 
Ein zentrales Anliegen ist die Einheit und Solidarität mit allen Kirchen, besonders mit denen des Globalen Südens. Die Pastoralkonstitution Gaudium et Spes des Zweiten Vatikanischen Konzils unterstreicht die Verbundenheit der Kirche mit der ganzen Menschheitsfamilie und stellt die Armen in ihr Zentrum: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ Die Weltkirche wird lebendig, wenn sie zu einer Lern-, Gebets- und Solidargemeinschaft wird – denn nur wer umeinander weiß, kann wirklich füreinander beten und solidarisch sein.
 
Der Austausch zwischen den Kulturen, Lebenswelten und Spiritualitäten der verschiedenen Ortskirchen schafft eine wechselseitige Verantwortung und Hoffnung auf Veränderung. Der Ausschuss Weltkirche und Partnerschaft der Erzdiözese Freiburg steht dabei für diesen offenen Dialog mit Partnerinnen und Partnern weltweit.
 
In Bezug auf Reformen wird der Verweis auf die Weltkirche mancherorts als Vorwand für das Verharren oder als Hemmnis wahrgenommen, obwohl sich in den letzten Jahren das Bewusstsein für die unterschiedlichen pastoralen Herausforderungen der Ortskirchen deutlich verstärkt hat und weiter verstärkt. Papst Franziskus hat diesen Wandel durch die Stärkung der Eigenverantwortung und Entscheidungsspielräume der Ortskirchen vorangetrieben. Gleichzeitig wächst das Verständnis für die Notwendigkeit der Inkulturation: Das Evangelium existiert nicht losgelöst von Kultur, sondern muss sich immer wieder neu in konkrete Lebenswelten „hineinbuchstabieren“. So wird die Botschaft des Evangeliums im Dialog mit den Erfahrungen, Geschichten und Hoffnungen der Menschen tiefer verstanden.
 
Dabei bleibt der Reichtum der Einheit erhalten: Alle Teilkirchen, Charismen und Geschöpfe sind tief miteinander verbunden. Vor der Weltkirche steht daher die dringliche Frage, wie sie als eine Kirche in Christus eins bleiben kann. Papst Franziskus hat diesen Prozess besonders durch die Einberufung von Synoden und vor allem durch den weltweiten synodalen Prozess 2021-2024 gefördert und Orte des gemeinsamen Hörens, der Begegnung und Unterscheidung geschaffen.
 
In dieser Einheit müssen auch Polaritäten zusammengehalten werden. Es geht nicht um einfache Lösungen, sondern darum, einen Raum offen zu halten, in dem ein gemeinsamer Weg entstehen und gelebt werden kann – im gegenseitigen Hören und im gemeinsamen Hören auf den Heiligen Geist.
 
Thomas Schmidl - stellv. Vorsitzender des Ausschusses Weltkirche und Partnerschaft
Dorothée Kissel – Mitglied im Ausschusses Weltkirche und Partnerschaft